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Simon Singh: Big Bang
Wer ein wenig Interesse an der Entstehung des Universums, an Astronomie insgesamt oder an physikalischen Fragestellungen hat, dem ist dieses Buch wärmstens zu empfehlen. Singh beschreibt sehr spannend die Geschichte der Forschung zum Universum von der Antike beginnend bis zur Neuzeit, wobei er naturwissenschaftliche Thesen und Entdeckungen fast ganz ohne Formeln, aber sehr plastisch erläutert.
Link zu weiteren Hinweisen bei perlentaucher.de

Julia Schoch: Mit der Geschwindigkeit des Sommers
Das Buch dreht sich um die Erinnerungen einer Frau an deren Schwester, welche, zurückgeblieben im Heimatdorf an der Nordostgrenze Deutschlands, Selbstmord begangen hat. Schoch beschreibt Kindheit und Jugend der Frauen in der Garnisonsstadt und auch kurz deren Weg nach dem Fall der Mauer: die Jüngere geht weg, findet ein neues Leben in einer neuen Welt, während die Ältere zurückbleibt mit immer weniger Bekannten, einem geisterhaft normalen Alltag, einem Liebhaber, mit dem sie ihre Jugendtage und deren anderes Flair immer wieder heraufbeschwört. Schoch beschreibt sehr exakt die Essenz, wie es ist, nochmal davon gekommen zu sein; und wie es ist, auf die anderen zurückzublicken. Allerdings macht das Buch sehr traurig, und es läßt überlegen, was denn nun Heimat eigentlich ist.
Link zu weiteren Infos bei märkischeallgemeine.de

Philipp Sarasin: Darwin und Foucault
Ein erstaunliches und spannendes Buch. Nicht nur, daß man viel zu Darwin und zu Foucault erfährt – offensichtlich und sehr interessant ist in der Tat die Parallele, daß beide in Ihren Fachgebieten nicht auf Muster und Struktur bauten bzw. diese suchten, sondern mit Genealogie und Evolution eben den gleichen Gedanken umsetzen, daß Entwicklung durch Variation und Selektion im zeitlichen Kontext stattfindet und damit den Möglichkeiten und Gegebenheiten des Moments entspringen.
Link zur Suhrkamp-Leseprobe bei kohlibri.de

Doris Lessing: The grass is singing
Ein ganz fesselnder Roman – das Leben einer Frau in Südafrika zu Beginn des 20. Jahrhunderts, beschrieben bis in die kleinsten, verwirrendsten Gedankengänge und eingebettet in den Fluß der Natur und der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.
Link zur Detailbeschreibung unter dorislessing.org

Zygmunt Bauman: Wir Lebenskünstler
Zusammenfassung des Zeitgeists der “flüchtigen Moderne”, wobei er speziell die Probleme des modernen Glückssuchenden, also einen sehr ausgeprägten Egoismus, aber auch die Konzentriertheit auf das Hier und Jetzt (im Gegensatz zu der zeitlichen Dimension des Daseins mit Planung, Verantwortung, Verpflichtung , Festigkeit usw.) beschreibt. Das Leben als “künstliches” Gebilde mit offenem Ausgang…
Bauman legt sich nicht auf eine bessere Alternative fest, meint jedoch, daß das Glück, wonach wir streben, mit diesen verpflichtungsfreien Ansätzen noch schwerer zu fassen ist, da die Jetztbezüglichkeit, kombiniert mit den modernen Konsumanforderungen und -gewohnheiten, kaum je zu einer inneren Zufriedenheit führen wird. Hingegen wirbt er für die Zuwendung hin zum Nächsten – nur für Andere dazusein, kann glücklich machen. Dies dann aber auch vor allem ohne Anspruch auf Gegenseitigkeit oder das Kalkül des Aufrechnens.
(Link zu Leseprobe bei BerlinerLiteraturkritik.de)

Knud Romer: Wer blinzelt, hat Angst vor dem Tod
Romer erzählt aus der Perspektive seiner eigenen Kindheit heraus die Geschichte seiner Eltern und Großeltern, insbesondere die Einbettung seiner deutschen Mutter in die dänische Familie und Lebenswelt nach den 2. Weltkrieg. Die ständig gegeneinander stehenden Ausschnitte aus deren Leben, die unterschiedlichen Bezüge, das Wechselspiel von kurzer Freude und den vielen Seiten von Schmerz, Wut und Trauer lassen ein sehr unstetes Bild erscheinen, welches erahnen läßt, wie wenig Rückhalt und Heimat der Protagonist erlebte. Die Erzählung führt schließlich auf den Fluchtpunkt des Lebens seiner Mutter zurück: die Ereignisse um die Wiederstandsgruppe “Rote Kapelle”, mit deren Mitglied Horst Heilmann Sie befreundet war.
(Link zu Leseprobe bei Suhrkamp)

Richard Rorty / Gianni Vattimo: Die Zukunft der Religion
Anknüpfend an Heidegger und Gadamer erläutern Vattimo und Rorty ihr Denken hinsichtlich einer Religion, die sich nicht in Konkurrenz zu einer objektivistischen Wissensgesellschaft versteht.
(Link zu Inhaltsbeschreibung bei VerlagDerWeltreligionen.de)

Arthur Schnitzler: Leutnant Gustl
Erzählungen aus dem Wien der Jahrhundertwende, alle in realistischer, aber immer auch befremdender Darstellung. Es zeichnet sich deutlich ab, wie jeder der Protagonisten in der Ansicht seiner täglichen Welt beengt wird durch Moral, Angst und Voreingenommenheit, und nur manchmal aus ihr auszubrechen imstande ist. Oft ist die Flucht dann nur ein Weglaufen hin zu neuen Verflechtungen der selben Art.
(Link zur ersten Geschichte bei wikisource.org)

Siegfried Lenz: Der Anfang von etwas
Ungemein berührende Erzählungen, in ihrer bildlichen Kraft und im Inhalt außerdordentlich intensiv. Seien es die Geschichten vom Krieg, von einem kranken Kind, von manisch schuhekaufenden Familienmitgleidern, von einem Eröffnungsvortrag der VHS: alle Erzählungen gehen nahe und lassen den Leser erstaunt, verwundert, mitfühlend, sich erinnernd zurück.
(Link zu Leseprobe bei Hofmann-und-Campe.de)

Stanley Ellin: Die Segensreich-Methode
Ganz wundervolle kleine schwarze Krimis, die immer schon während des Erzählens leise ahnen lassen, daß es zum Ende hin unglaublich schwarzen Humor gibt. Neben den “Spezialitäten des Hauses” Ellin at its best.
(Link zu Kurzbiographie und Werkverzeichnis bei krimi-couch.de)

Milan Kundera: Der Scherz
Sehr eindringlich schildert Kundera die Situation an der Prager Hochschule nach dem Krieg: die politischen Gepflogenheiten, die Ausdrucksstile, die kleinen feinen Formen des damaligen alltäglichen Lebens der Studenten mit viel Folklore und Diskussion. Mitten in dieser auflegadenen, gespannten Zeit findet das Schlüsselereignis für den Protagonisten statt, ein zu diesem Zeitpunkt unverzeihlicher Ausbruch des Individualismus, der letztlich sein ganzes weiteres Leben in gänzlich andere Spuren führt, als er erwartet hat.
Die Geschichte webt sich weiter, nach Jahren kommt er in seine Heimatstadt zurück und durch eine erneute Ballung an Ereignissen wird deutlich, daß die Spur seines Lebens, gekennzeichnet von diesem einen Ereignis an der Prager Uni und dem darauf bauenden Haß, dem Zweifel, der jahrelangen bedingten und auch gesuchten Ausgeschlossenheit, keine Polarität mehr in diesen vergangenen Dingen hat, da die damit verbundenen Handelnden von damals sich verändert haben, keine Angriffsfläche mehr bieten, ein anderes Leben führen. Sehr traurig.
(Link zu Beschreibung bei wikipedia.org)

Volker Weidermann: Das Buch der verbrannten Bücher
Eine kleine Sammlung an kurzen Lebensläufen und Buchbeschreibungen zu den Werken, die am 10. Mai 1933 von den Nazis öffentlich verbrannt wurden. Viele Anregungen können mitgenommen werden und auch ein sehr vielschichtiges Bild der Autoren, deren Spektrum von Wanderer über Kommunist, Sozialist bis Monarchist reicht; der mal im Exil ist, mal nicht; mal sich den Zeiten angepaßt hat, mal nicht. Lesenswert auf alle Fälle.
(Link zur Rezension bei taz.de)

William Trevor: Geborgtes Glück
Das Buch enthält vier Kurzgeschichten, die in ihrer Intensität und Klarheit bestechend wirken. Die Szenen sind durch wenige, aber markante und manchmal schonungslose Details sehr fesselnd und tragen immer einen Hauch von Melancholie in sich.
(Link zu Leseprobe bei berlinerliteraturkritik.de)

Carl Zuckmayer: Als wär´s ein Stück von mir
Eine leicht federnde Sprache, die Erinnerung aus den Jugendjahren der Jahrhundertwende, der Teilnahme am ersten Weltkrieg, dem Exil in Amerika und dem Erleben von Erfolg und Fehlschlag im Theaterleben meisterlich, wie dahinplätscherndes Wasser erzählt. Die Beschreibung einer Zeit, wie wir sie auch bei Walter Benjamin und Stefan Zweig finden, ist hier losgelöster, immer positiv gezeichnet auf dem weiten Resonanzboden von Freundschaften, die sich über den gesamten Globus erstrecken.
(Link zu Kurzbeschreibung bei wikipedia.de)

Günter D. Roth: Die BLV-Wetterkunde
So einfach geschrieben, daß mal auch ohne großes Hintergrundwissen das Gefühl bekommt, daß “Wetter ganz einfach geht”. Roth beschreibt von der Wetterentstehung über die gesamten beobachtbaren Wettererscheinungen hinaus auch die Aufgaben, die Vernetzung und die Entstehungsgeschichte des Wetterdienstes und den Aufbau von Wetterkarten sowie faßt die Europäischen Großwetterlagen zusammen; darüber hinaus werden globale Klimaphänomene erläutert und die Klimaveränderung diskutiert.

Geert Mak: Wie Gott verschwand aus Jorwerd
Äußerst liebevolle Bescheibung des ländlich-bäuerlichen Lebens in Friesland und dessen Verwandlung in den letzten beiden Jahrhunderten. Mak schreibt mit der Distanz des Städters, aber mit der Verbundenheit des Journalisten, der den Kern der ländlichen Lebensweise erkannt und schätzen gelernt hat.
(Link zu Leseprobe bei randomhouse.de)

Bruce Chatwin: In Patagonia
Wunderbare Miniaturen, die locker geschrieben, einen langsam in das Lebensgefühl in Patagonien einführen und zugleich einen immer etwas ungläubig staunen lassen, wenn Chatwin anfängt, historische Fäden über lange Zeiträume hinweg aufzunehmen, bis man schließlich nicht mehr weiß, was Fiktion und was Wirklichkeit ist.
(Link zu Beschreibung des Buches bei wikipedia.org)

Wolfgang Schmitz: Schneller lesen – besser verstehen
Äußerst empfehlenswertes Buch, um zu lernen, wie man die eigene Lesegeschwindigkeit erhöhen kann bzw. diese an die Art des zu lesenden Buchs oder Textes anpaßt. Außerdem besticht das Buch durch den Aufbau, welcher sowohl die strengen “von vorn nach hinten”-Durchleser incl. Praxisübungen und Tests anspricht als auch die “Querleser”, die sich ggf. mit dem Theorieteil begnügen.
(Link zu Leseprobe bei rowohlt.de)

Stefan Zweig: Die Welt von gestern
Selten habe ich ein so tiefes, spannendes Zeitzeugnis gelesen, welches zugleich die Person des Autors als auch den historischen Rahmen so klar, schlüssig, aber auch erschütternd pragmatisch beschreibt. Hinzu kommt, daß Zweig bei so vielen geschichtlichsträchtigen Szenen, die an sich oder im überrtagenen Sinne als Zeichen der Zeit historisch bedeutsam sind, anwesend war.
(Kurzbeschreibung bei die-leselust.de)

Manfred Eder: Kirchengeschichte
Dieses Buch ist äußerst geeignet für interessierte Laien, die bei der Vertiefung des Themas noch recht am Anfang stehen. Dabei weckt der Autor Lust, sich mit einzelnen Fragestellungen tiefer zu befassen, gibt sehr gute weiterführende Hinweise und spannt den Bogen der letzten 200 Kirchengeschichtsjahre so schlüssig und durchgängig, daß man es regelrecht bedauert, wenn man mit dem Lesen am Ende des Buches angekommen ist.
(Link zu Rezension bei sandammeer.at)

F.S. Perls/P. Hefferline/P. Goodman: Gestalttherapie
Eine wundervolle Einführung in die Grundlagen und Basisannahmen der Gestalttherapie, die einen sehr tiefen Einblick in die offene, tiefgreifende und menschliche Haltung der Autoren deutlich macht. Insbesondere interesant sind der wertschätzende Blick auf jede Art von Handlung sowie die Würdigung der Einheit von Körper und Geist im Kontakt-Ausdruck.
(Link zu Einführung und Leseprobe bei deutschesfachbuch.de)

Saul Bellow: Seize the day
Kurze, aber äußerst intensive Abbildung des tragischsten Moments im Leben eines hoffnungslos Gescheiterten.
(Link zu Kurzbeschreibung bei librarything.com)

Ludwig Marcuse: Philosophie des Glücks
Marcus beschreibt zehn große Denker und damit zehn Wege, Glück zu erklären und anzustreben. Vor allen die passenden Beschreibungen der unterschiedlichen Lebensentwürfe und die damit einhergehenden Ansichten und Pfade zum Glück lassen ahnen, daß nicht nur eine Möglichkeit gibt, glücklich zu werden / zu sein. Die Ausführungen regen außerdem auch zu einer Standortbestimmung der eigenen Ansichten an.
(Link zu Kurzbeschreibunng bei DeutschesFachbuch.de)

Arthur Schnitzler: Traumnovelle
Ganz wundervolle Beschreibung der Erlebnisse eines Mannes in einer Nacht in Wien um 1900 – die Suche, die Intentionen, der nachträgliche Versuch der Distanz und der Klärung der Ereignissen und letztlich die Rückkehr zu seienr Partnerin.
(Leseprobe bei blackink.de)

Siegfried Lenz: Schweigeminute
Sanft wie ein Hauch oder wie aus einem Traum aufsteigend zeichnet Lenz das Bild des trauernden Jungen, beschreibt eine unschuldige, zarte Liebe.
(Link zu Leseprobe bei Weltbild.ch)

Dietrich Krusche: Haiku – Japanische Gedichte
Ein wundervolles Buch zum Einesen in Haiku: Es werden zunächst viele Haiku in angemessener Übersetzung und Reihenfolge präsentiert, im Anhang erfolgt die Erläuterung der Bildungsregeln, aber auch der Entstehungsgeschichte und des geschichtlichen Hintergrunds in Japan. Daher ein äußerst reizvolles und spannendes Buch, da viele Facetten des Themas anschaulich erläutert werden.

Stephen Nachmanovitch: Das Tao der Kreativität
Was ist der Kern von Kreativität? Zwischen welchen Facetten bewegt sich Improvisation in Musik, darstellender Kunst, Theater? Was ist die Energie, die in gelungener Improvisation steckt? Nachmanovitch erkundet seine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen und bringt diese auf sehr ansprechende Weise in Einklang mit den Grundgedanken der östlichen Spiritualität.
(Link zu Fischerverlag für Vita)

Kurt Vonnegut: Schlachthof 5
Ein Antikriegsbuch, dessen Kernstück die Bombardierung von Dresden ist. Außergewöhnlich berührend die Darstellung der Zerrissenheit, die danach bleibt, der Fremdheit für alles “Normale”, was man nach dem Erleben des Krieges noch erleben kann. (Link zur Beschreibung bei Wikipedia)

Hecken, Thomas: 1968
Endlich mal ein 68er Buch weit ab vom Mainstream, mit Darstellung der globalen Zusammenhänge der Bewegung sowie der Vermittlung eines tiefen Einblicks in die Emotionen und deren Eskalation. (Link zur Leseprobe im Transcript-Verlag)

Nietzsche, Friedrich: Also sprach Zarathustra
Beispiel aus dem zweiten Teil “Von der unbefleckten Erkenntnis” (Link zu Zeno.de)

Benjamin, Walter: Kindheit um neunzehnhundert (Link zu Textbeispiel bei Literature-online.de)
Wunderbare Miniaturen, die den Leser in ihrer sprachlichen Weite sofort in die Szenen eintauchen und mitfühlen lassen.
Beispiel aus “Zwei Blechkapellen”, welches das Ende eine Schlittschuhfahrt markiert: “… Doch der See lebte mir noch in dem Takte der von Schlittschuhen plumpen Füße, die nach einem Streifzuge übers Eis von neuem den Bretterboden fühlten und in eine Bude polterten, in der ein Eisenofen glühte. Nahebei die Bank, wo man die Last an seinen Füßen noch einmal wog, bevor man sich entschloss, sie abzuschnallen. …”

Kafka, Franz: Ein Bericht für eine Akademie (Link zu Text bei spiegel.de)

Twain, Mark: Das Tagebuch von Adam und Eva (Text als Datei: Twain-Adam und Eva)

Thane, Pat: Das Alter (Link zur Rezension bei Socialnet.de)